Stern e.V. Verein zur Förderung alternativer Kultur und politischer Bildung Aschaffenburg

Veranstaltungsreihe: Kritik des Antisemitismus

Die Veranstaltungsreihe ist auf 2021 verschoben.

„Die Forderung, daß Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung. Sie geht so sehr jeglicher anderen voran, daß ich weder glaube, sie begründen zu müssen noch zu sollen. Ich kann nicht verstehen, daß man mit ihr bis heute so wenig sich abgegeben hat.“  – Theodor W. Adorno

Im Frühjahr und Sommer möchten wir uns mit einer kurzen Veranstaltungsreihe mit der Entstehung, Entwicklung und Gegenwart des Antisemitismus auseinandersetzen. Geplant sind hierfür aktuell vier Vorträge, sowie eine Podiumsdiskussion.

Die Zahl der der Angriffe, Anfeindungen und Bedrohungen für Menschen jüdischen Glaubens in der Bundesrepublik ist seit Jahren hoch.
Im Schnitt werden täglich 5 Straftaten gegen Menschen jüdische Glaubens oder gegen jüdische Einrichtungen bei der Polizei registriert. Tendenz steigend. Dabei sind sich alle Expert*innen einig, daß die Dunkelziffer antisemitischer Straftaten erheblich höher ausfällt.
(Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/2019-10/antisemitismus-anschlag-halle-rechtsextremismus-rechte-gewalt-kriminalitaet )
Nicht erst der Anschlag von Halle zeigt also, dass verbaler wie gewalttätiger Antisemitismus für jüdische Menschen zum Alltag dazugehört.
Auch innerhalb unserer linken Zusammenhänge stellen wir fest, dass klassische antisemitische Projektionen wie die einer angeblichen jüdischen Weltverschwörung oder der angebliche besondere Zusammenhang von jüdischen Menschen und Geld verbreitet sind. Da fällt schnell mal der Name „Rothschild“, wenn es um die Betonung von verwerflichem Reichtum geht oder Georg Soros wird als Strippenzieher für herbeiphantasierte dunkle Machenschaften innerhalb sozialer Bewegungen genannt.

Dem grassierenden Antisemitismus möchten wir mit einer Veranstaltungsreihe entgegen treten, in welcher über Geschichte, Struktur und Wirkmächtigkeiten von Antisemitismus aufgeklärt werden soll.

Hinweis: Auf diesen Veranstaltungen wird der Stern e.V. von seinem Hausrecht gebrauch machen, um eine Diskussion zu ermöglichen, die frei von einschüchternden und/oder rassistischen, sexistischen und antisemitischen Äußerungen ist.

26.03.2020 19:30 Julia Bernstein: Was ist eigentlich Antisemitismus?
Prof. Dr. Julia Bernstein gibt eine Einführung in antisemitische Bilder, Denkstrukturen und deren Auswirkungen. Dabei wird auch der Unterschied zu anderen gruppenbezogenen menschenfeindlichen Einstellungen wie Rassismus erklärt.

Julia Bernstein hat eine Professur für Diskriminierung und Inklusion in der Einwanderungsgesellschaft an der Frankfurt University of Applied Science inne.
Im Frühjahr erscheint ihr auf wissenschaftlichen Studien beruhendes Buch „Antisemitismus an Schulen in Deutschland“, in welchem der auch an Lehranstalten weit verbreitete Antisemitismus analysiert wird und Handlungsoptionen dagegen aufgezeigt werden.

28.04.2020 19:30 Jan Rathje: Verschwörungstheorien und deren antisemitische Komponente
Der Mythos der „jüdischen Weltverschwörung“ trägt seit Jahrhunderten dazu bei, einen Weltzusammenhang für seine Anhängerinnen und Anhänger herzustellen. Auch die aktuellen Verschwörungsnarrative verbergen ihren antisemitischen Kern nur dürftig hinter Codes und Chiffren. Als „Lügenpresse“ und „Volksverräter“ Vorwürfe begegnet man ihnen auf Demonstrationen der aktuellen rechtsextremen Bewegungen, in ihren „alternativen“ Medien und den Sozialen Netzwerken. Die Anhängerinnen und Anhänger von Verschwörungsideologien und –mythen machen auf diese Weise deutlich, dass es sich bei den zugrundeliegenden Erzählungen eben nicht ausschließlich um Unterhaltung handelt, sondern ihnen der Wunsch nach der Vernichtung von Widersprüchen innewohnt.

Der Vortrag mit anschließender Diskussion behandelt die strukturellen und funktionalen Parallelen zwischen Antisemitismus und Verschwörungsideologien sowie deren Ursachen. Abschließend sollen Handlungsoptionen zum Widerspruch gegen beide zur Diskussion gestellt werden.

07.05.2020 19:30 Martin Liepach : Vom christlichen Antijudaismus zur Shoa
Pogrome gegen die den jüdischen Teil der Bevölkerung fanden in Europa und im heutigen Deutschland seit dem frühen Mittelalter statt. Dieser christliche geprägte eliminatorsiche Amtsemitismus bildete die Grundlage des Amtisemitismus der Neuzeit der unter der nationalsozialistischen Herrschaft zum industriellen Massenmord an Jüd*innen führte.

Martin Liepach referiert über diese Entwicklungund benennt Kontinuitäten und Unterscheide zwischen christlichem Antijudaismus und nationalsozialistischem Antisemitismus.

Martin Liepach ist seit 2000 Lehrbeauftragter an der Goethe-Universität in Farnkfurt/Main. Als Geschäftsführer der Kommission des Leo Baeck Instituts zur Verbreitung deutsch-jüdischer Geschichte betreute er die gleichnamige Orientierungshilfe für Lehrplan- und Schulbucharbeit sowie Lehrerbildung und Lehrerfortbildung (3. Aufl., 2015). Von 2009 bis 2019 gehörte er zum Team des Pädagogischen Zentrums des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt. Liepach ist Mitglied der Deutsch-Israelischen Schulbuchkommission und Mitautor der 2015 veröffentlichten Deutsch-israelischen Schulbuchempfehlungen.

18.05.2020 20:00 Stephan Grigat: Mit Marx und Adorno für Israel – Antizionismus, antikapitalistische Ressentiments und die Linke
Sind Spekulanten „Heuschrecken“? Und betreibt Israel eine „Vernichtungspolitik gegen die Palästinenser“? Oder zeigt sich in solchen Aussagen, dass die Linke nicht nur eine antisemitische Schlagseite hat, sondern in einigen ihrer Ausprägungen ein handfestes Antisemitismusproblem? Der Vortrag soll zeigen, inwiefern bestimmte Formen des Antikapitalismus den Antisemitismus befördern, wie er sich im Hass auf den jüdischen Staat und in der Kollaboration mit dem Islamismus darstellt, wie sich die Linke gegenüber dem Antisemitismus historisch positioniert hat, warum die Kritik der politischen Ökonomie von Karl Marx notwendig ist, um der real existierenden Linken ihre Defizite aufzuzeigen und warum eine Linke, die den kategorischen Imperativ Adornos ernst nimmt, sich klar an die Seite Israels stellen muss.

Stephan Grigat ist Dozent für Politikwissenschaft an der Uni Passau, Lehrbeauftragter an der Uni Wien, Permanent Fellow am Moses Mendelssohn Zentrum der Uni Potsdam, Research Fellow am Herzl Institute for the Study of Zionism and History der Uni Haifa und Wissenschaftlicher Direktor der NGO „STOP THE BOMB“. Er ist Autor von „Die Einsamkeit Israels. Zionismus, die israelische Linke und die iranische Bedrohung“ und Herausgeber u.a. von „AfD & FPÖ. Antisemitismus, völkischer Nationalismus und Geschlechterbilder“ sowie „Iran – Israel – Deutschland: Antisemitismus, Außenhandel & Atomprogramm“.

24.05.2020 Abendveranstaltung Podiumsdiskussion: Was tun gegen Antisemitismus?
Als Abschluss der Veranstaltungsreihe wollen wir gemeinsam mit lokalen Akteur*innen Handlungsoptionen gegen Antisemitismus diskutieren.

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